Die entscheidende Zutat für die Leitung von Therapie-Gruppen und die Führung von Teams

Mein Start als eigenständige Gruppentherapeutin - kurz vor Corona

Seit Herbst 2019 biete ich eigenständig Psychotherapie-Gruppen an. Der Start meiner ersten Gruppe lag wenige Monate vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Damit hatten ich als Leitung, aber natürlich auch alle Teilnehmer:innen, sehr früh im Prozess eine riesen Herausforderung zu stemmen: Es kam zu einer mehrmonatigen Unterbrechung zu Beginn der Pandemie. Später saßen wir uns teilweise mit Masken gegenüber, was die emotionale Verbindung - entscheidend für den therapeutischen Prozess - erschwerte.

In all der Zeit, in der ich eigentlich schon genug damit zu tun hatte, in meine Leitungsrolle als Gruppentherapeutin hinein zu finden, hatte ich zusätzlich innerlich, kollegial sowie im Austausch mit den Patient:innen zu klären, welche der vielen Verantwortungen ich wann und in welchem Umfang gewichte:

  • Ausbreitung des Virus (gesellschaftliche Verantwortung)

  • psychische Gesundheit der Patient:innen (ärztliche Verantwortung)

  • Ansteckungsgefahr innerhalb des Teams (unternehmerische Verantwortung).

Damals schon, seither immer wieder und zuletzt diese Woche konnte ich beobachten:

Die Leitung einer Therapie-Gruppe und die Führung von Teams haben etwas Entscheidendes gemeinsam: Je sicherer die einzelnen Personen sich in der Gemeinschaft fühlen, desto freier können sie denken, fühlen, Ideen äußern und miteinander Lösungen für emotional und gedanklich herausfordernde Situationen entwickeln.

Die besten Ideen entstehen nicht im Kopf eines einsamen Genies.

Sondern im kreativen Geflecht einer Gemeinschaft, die angstfrei miteinander in den Austausch geht.

Vertrauen als entscheidende Zutat

Es gilt fürs psychotherapeutische Setting genauso wie für Teams:

Das Wichtigste, das ich als Leitung beisteuern kann, ist: Mein Vertrauen in jeden Einzelnen und in die Gruppe als Ganzes, dass sie miteinander einen Weg finden werden.

Es ist ein Vertrauen in Anwesenheit. Ich nehme teil, ich ziehe mich nicht raus. Ich dränge mich aber auch nicht unnötig in den Vordergrund.

Das spürt die Gruppe. Das spürt ein Team. Und das wirkt.

Zu Beginn meiner Tätigkeit als Gruppentherapeutin aber - und ganz besonders in der Krisenzeit der Corona-Pandemie - war dies die größte Herausforderung für mich: Kontrolle abzugeben. Darauf zu vertrauen, dass die Menschen, für die ich Verantwortung trage, auf mich zukommen werden, wenn sie einen besonderen Bedarf haben. Der Gruppe als Gemeinschaft zuzutrauen, dass sie trägt - auch durch sehr schwere Zeiten.

Wofür stehst du (ein): Angst oder Bindung?

Entscheidend dafür, ob ein Team oder eine Gruppe von Menschen es schafft, Herausforderungen gemeinsam gut zu meistern und schwere Zeiten nicht nur zu überstehen, sondern für sich persönlich, ihr Unternehmen, ihr Produkt nutzbar zu machen, ist natürlich, welche Art gemeinschaftliches Klima in einer Gruppe oder einem Team herrscht. Und dafür trägt nun einmal die Leitung die Hauptverantwortung, z. B. über

  • Stellenbesetzung bzw. Auswahl der Teilnehmer:innen.

  • Etablierung von passenden offiziellen Regeln und Rahmenbedingungen sowie Durchsetzung derselben.

  • Unterstützung und Durchsetzung eines wertschätzenden, stützenden Klimas, in dem Gefühle gezeigt und Konflikte besprochen werden können (inoffizielle Regeln).

  • Verantwortungsübernahme durch Treffen schwieriger Entscheidungen.

Wir können Gruppen und Teams anführen, indem wir Ängste schüren, Egoismus belohnen.

(In unserer heutigen Welt gibt es genügend prominente Beispiele hierfür, über die wir uns täglich in Zeitungen und anderen Medien informieren können.)

Oder indem wir für einen Rahmen sorgen, in dem die Einzelnen untereinander starke Bindungen entwickeln, ihre Ängste überwinden und ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.

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Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit!

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